Warum Motorrad?

Also, das ist so...

Den Begriff Motorrad fahren verstehen manche so, dass man möglichst schnell mit möglichst hoher Drehzahl und in möglichst geduckter Haltung über eine Asphaltpiste fährt, wobei die richtigen Männer durch angekratzte Knieprotektoren und Wheelies auffallen. Falls dieser "Sport" für Dich Motorrad fahren bedeutet, ist das hier bestimmt nicht die richtige Seite für Dich.

Motorrad fahren ist für mich...

... gemütlich durchs Land zu fahren und dabei links und rechts der Straße auch etwas zu sehen. "Das geht mit einem Auto auch", wirst Du nun vielleicht sagen. Naja, in so einer Blechkiste fährst Du umhüllt von Glas und Stahl: Niemals wirst Du spüren, wie an Sommerabenden die Luft hier plötzlich kühl und dort hinten wieder warm ist. Du wirst nicht den Duft der feuchten Wälder und der trockenen Felder riechen. Du siehst nicht den Bussard, der über Dir in der Thermik kreist. Du weißt nicht, ob der Regen warm oder eiskalt ist. Du freust Dich nicht, wenn er wieder aufhört.

Auf dem Motorrad kann ich all das erleben. Ich bin mittendrin in der Landschaft und brauche bloß den Kopf zu heben, wenn ich im Tal den Schnee auf einer Bergspitze sehen will. Ich kann fast überall mal eben anhalten und einfach nur schauen, ohne mir erst einen Parkplatz suchen zu müssen oder den Verkehr zu behindern (das hat mich während unserer Wohnmobil-Tour übrigens ziemlich gestört). Mit dem Auto fährst Du von A nach B, mit dem Motorrad ist für mich bereits der Weg das Ziel.

Wie es anfing...

Werbung für die Honda Dax

In der Schule hatte Rainer W. seine heißgeliebte (und -gemachte) Hercules. Wenn es damals schon MP3-Player gegeben hätte, dann wäre er wohl ständig mit Allright Now von Free in den Ohren damit herumgefahren. Die Yamaha von Lupo haben wir in jeder großen Pause auf dem Parkplatz bestaunt. Dann bekam Rudi M. seine Honda Dax, auf der ich später auch mal eine Runde fahren durfte. Nochmal Danke dafür, Rudi!

Meinen Führerschein Klasse 1 habe ich 1978 auf der Honda CB 200 von Menne S. gemacht. Zwar wird dadurch nicht wirklich zum Motorradfahrer, aber schließlich ging es erstmal um den grauen Lappen.

Richtig fahren gelernt habe ich auf meinem ersten Motorrad, einer Honda XL185S - heute würde man sowas ein Dirt Bike nennen. Das Moped wog 108 kg, hatte einen Viertakt-Motor mit 17 PS und ein schwaches 6V-Bordnetz. Der Tank fasste 7 Liter, das reichte immerhin für 200 km.

Gleich auf den ersten Metern zeigte mir die XL185S, wo sie hin wollte: In der Garageneinfahrt gab ich im 1. Gang richtig Gas, schon ging es munter quer über die Straße aufs gegenüber liegende unbebaute Grundstück, wo wir beide im Dreck landeten. Das hat mir erstmal Respekt eingeflößt und die Erkenntnis, dass nach dieser ersten, immerhin 20 Meter langen Fahrt am Moped nichts, aber auch nichts kaputt gegangen ist. Wir beide haben uns dann auf einem Truppenübungsplatz aneinander gewöhnt. Dort bekam die XL185S auch meinen Dank für den allerersten Ausritt quer über die Straße: Von einem Panzerhügel ging es steil bergab auf eine Pfütze zu, die allerdings etwas tiefer als erwartet war: Das Wasser stand bis zur Sitzbank! Freundlich gurgelnd zog uns meine Kleine aus dem Schlamassel heraus, und so stand es 1:1 zwischen uns. Nun konnte es losgehen.

Werbung für die Honda XL185S

Im August 1981 packte ich zwei Fahrradtaschen mit dem Nötigsten voll, und es ging mit der XL185S, Zelt und Schlafsack nach Norwegen. Zugegeben: Es war kein richtiges Reisemotorrad. Mit 80-90 auf der Autobahn machte dieses Moped einfach keinen Spaß, ständig wurde ich von LKW überholt. Aber nach dem Verlassen der Fähre in Kristiansand fühlte ich mich auf der XL sauwohl.

Das Schnurren des Viertakt-Einzylinders während der Fahrt durch die fantastische Landschaft des Nordens höre ich heute noch. Bilder von dieser Reise stehen auf der Seite Norwegen-Tour.

1983 wurde ich stolzer Besitzer einer nagelneuen Honda CX500. Die wegen ihrer Wasserkühlung gerne als Güllepumpe betitelte Straßenmaschine hatte Kardanantrieb, weshalb ich mich nicht mehr um Kette und Ritzel kümmern musste. Mit dem Elektrostarter musste ich mein Moped auch nicht treten, und die großen Krauser-Koffer nahmen jede Menge Gepäck auf. Eine richtige Reisemaschine! Keine Frage, wohin ich damit im Sommer fahren würde: Nach Norwegen! Die CX hat mich bis 1990 begleitet, dann folgte wegen Hausbau und Familie eine lange Pause.

Nach fast 15 Jahren war es im August 2005 endlich soweit: Ich hatte wieder ein Moped! Meine Deauville passte von Anfang an zu mir. In den ersten 8 Wochen fuhr ich 2.400 km, nach gut 3 Jahren habe ich es auf 24.000 km gebracht. Hoffentlich werden noch viele, viele folgen...