Mit der Bahn durch Lappland

Der Weg ist das Ziel

Am Donnerstag nachmittag treffe ich mich wieder mit Alf am Stockholmer Hauptbahnhof, und wie verabredet sind auch Steffi und Nicole da. Unser Zug nach Narvik soll um 17 Uhr abfahren. Wir holen unser Gepäck und trotten zum Bahnsteig. Heute wird es die vorletzte Fahrt mit der Tågkompaniet sein - am Samstag wird die Connex die Strecke übernehmen. Der junge Zugbegleiter ist trotzdem freundlich und gut drauf: Er hat einen Job auf einer anderen Strecke bekommen.

Abfahrbereit auf Gleis 4: Der Nachtzug nach Narvik
Abfahrbereit auf Gleis 4: Der Nachtzug nach Narvik

Pünktlich setzt sich der Zug in Bewegung. In den 6er-Liegewagenabteilen wird es doch ganz schön eng; Steffi und Nicole haben dort Plätze gebucht. Zum Glück sind Alf und ich im 3er-Schlafwagenabteil nur zu zweit, genießen sogar den Luxus einer Dusche, während es im Sitzwagen ziemlich chaotisch zugeht. Nachdem der freundliche Zugbegleiter seinen Zug überprüft und alle Fahrgäste persönlich begrüßt hat, bucht er Steffi und Nicole auf ein eigenes Schlafwagenabteil um - Erleichterung macht sich breit. Die wird nur kurz von den mit Rotwein abgefüllten Mitreisenden im Nachbarabteil und ihren lebenden Lurchen beeinträchtigt, dann wird es vorerst zum letzten Mal etwas dunkel draußen.

Früh am nächsten Morgen hat der Zug Boden erreicht. Hier gibt es einen längeren Aufenthalt: Der hintere Teil unseres Zuges mit dem Kinowagen wird abgehängt und fährt weiter nach Luleå. Von dort kommt etwas später ein anderer Zug, der zusammen mit uns nach Narvik fahren wird. Ich vertrete mir die Beine und sehe mir trotz der frischen Temperaturen den Bahnhof von Boden an. Mein Versuch, mal eben so etwas wie eine geöffnete Bäckerei zu finden, ist nicht von Erfolg gekrönt. Nach gut einem Kilometer Fußmarsch in Richtung Stadtmitte kehre ich lieber wieder um, sonst fährt der Zug ohne mich nach Narvik...

Das Bahnhofsgebäude von Boden C
Das Bahnhofsgebäude von Boden C

Geschichte der Erzbahn als Wandmalerei in der Unterführung
Geschichte der Erzbahn als Wandmalerei in der Unterführung

Der Zug bekommt jetzt auch einen Panoramawagen, der ursprünglich für die Deutsche Bahn gebaut wurde und viele Jahre als TEE-Panoramawagen der 1. Klasse die Rheinstrecke entlang gefahren ist. Die Schweden haben ihn umlackiert und mit einem großen Elch bemalt; innen ist die Ausstattung (bis auf die Fjällräven-gesponsorten Tische) aber noch Original, einschließlich der deutschen Beschilderung.

Panoramawagen der Tågkompaniet
Panoramawagen der Tågkompaniet

Ich bestelle mir einen Kaffee und unterhalte mich mit der Bedienung im Tågkompaniet-Outfit. Sie hat noch keine neue Stelle, und wo der Panoramawagen demnächst bleiben wird, weiß sie auch nicht - es scheint sie aber auch nicht zu interessieren. Kein Wunder, wenn die eigene Zukunft im Ungewissen liegt. Allmählich füllt sich der Wagen, und wir versuchen, die Aussicht trotz der trüben Witterung zu genießen. Da spricht uns ein Typ an, der irgendwie darauf gekommen ist, das wir genau wie er auch auf die Petrine wollen: Kai. Erst später in Deutschland entdecke ich ihn auf einem Foto im Panoramawagen...

Im Panoramawagen
Im Panoramawagen

Ausblicke: Fahrt durch die unendlichen Weiten Lapplands
Ausblicke: Fahrt durch die unendlichen Weiten Lapplands

Je mehr wir uns Narvik nähern, desto mehr Schnee und blauen Himmel bekommen wir zu sehen. Zwischen Abisko und Riksgränsen sind einzelne Seen teilweise zugefroren. Während der Fahrt hinunter auf Meereshöhe tun sich immer wieder atemberaubende Ausblicke auf den Rombaksfjord auf, leider verhindern viele Tunnels und Galerien ein schönes Foto. Online-Landkarte mit Bahnstrecke

In Narvik verabschieden wir uns von Alf und Kai, die noch heute mit dem Schnellboot direkt nach Svolvær fahren wollen. Steffi, Nicole und ich wollten über Harstad anreisen, um von dort aus am Samstag mit Hurtigruten nach Svolvær zu fahren. Wir versorgen uns erst mal im AMFI Center mit einigen Lebensmitteln, darunter Tine-Schokoladenpudding mit Klapplöffel! Dann geht es mit dem Bus nach Harstad - hier wird später der Törn der Petrine nach einer Woche enden. Auf der Fahrt rund um den Ofotfjord erleben wir einen zweiten Frühling: Mitte Juni blüht der Löwenzahn auf saftigen Wiesen, die Sonne scheint und lässt das Fjordwasser glitzern, die Berge haben Schneemützen auf. Die Reise hat mich ganz schön geschafft, ich will jetzt keine Fotos machen, nur noch genießen...

 
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