Mit Hurtigruten M/S Nordnorge von Harstad nach Svolvær

Der Weg ist das Ziel

Die Ende des 19. Jahrhunderts gegründete Postschiff-Route der Hurtigruten wird täglich befahren, und in jedem Hafen wird Fracht umgeschlagen. Früher waren sie mangels Straßen für viele Orte die Verbindung zur Außenwelt, heute bieten die Schiffe allerlei Kreuzfahrt-Luxus, den die zahlenden Fahrgäste zu schätzen wissen.

Als wir am Samstag Morgen im Centrum Gjestehus in Harstad aufwachen, hat sich das schöne Wetter verzogen, es regnet. Wir packen unsere Sachen, denn unser Schiff soll um 8:30 Uhr ablegen. Das Sammelsurium an Einrichtungsgegenständen im Frühstücksraum wird uns wohl noch ewig in Erinnerung bleiben. Um 8 Uhr machen wir uns auf den kurzen Weg zum Hurtigruten-Kai, wo die nordgehende M/S Nordlys gerade ablegt. Ihr kommt "unsere" M/S Nordnorge entgegen, beide Schiffe begrüßen sich dabei lautstark. Die M/S Nordnorge läuft nach Harstad ein und verblüfft mich mit erstaunlicher Manövrierfähigkeit: Das 123 m lange Schiff wendet fast auf der Stelle, Querstrahlruder machen es möglich.

M/S Nordlys trifft M/S Nordnorge
M/S Nordlys trifft M/S Nordnorge

M/S Nordnorge wendet
M/S Nordnorge wendet

Festmachen in Harstad
Festmachen in Harstad

Die Touristen, die eine Bustour von Harstad über Sortland nach Svolvær gebucht haben (wie kann man nur gerade diese Schiffspassage auslassen?), gehen von Bord. Als der Regen stärker wird, warten die Herrschaften erst einmal mitten auf dem trockenen Teil der Gangway und lassen uns im Regen stehen. Irgendwann setzen sie sich aber dann doch in Bewegung, wir können an Bord. An der Rezeption werden wir freundlich begrüßt, ein frischer Blumenstrauß, überall glänzendes Messing, edles Holz, pieksaubere Umgebung: Dies ist wahrhaftig keine Fähre!

Wir bekommen anstandslos den Familienrabatt und sparen eine Menge Penge. Das Wetter wird wohl so schnell nicht besser, darum inspizieren wir die Salons auf Deck 7. Der Kampf um die besten Plätze im Panorama-Salon direkt über der Brücke ist längst entschieden: Hier sitzen sie in bequemen Relaxsesseln, schweigend, unbeweglich, fast wie im Sanatorium: Kreuzfahrtpassagiere! Wir gehen mittschiffs in einen fast leeren Salon und machen es uns auf der Steuerbordseite in den ledernen Clubsesseln bequem. Während die Landschaft und die tiefen Regenwolken draußen vorbei ziehen, entkorken wir morgens um halb zehn den guten schottischen Single Malt und genießen zur Feier des Tages einen kleinen Schluck aus der Edelstahl-Tasse. So läßt es sich auch bei Regen aushalten.

Im trockenen Salon bei Regen die Landschaft genießen
Im trockenen Salon bei Regen die Landschaft genießen

Nach der langen Anreise sind wir entspannt und guter Dinge, das Wetter kann jetzt nur noch besser werden. Nächster Hafen ist Risøyhamn, dort werden wir gegen Mittag eintreffen. Online-Landkarte

Im Toppsund fahren wir an der Insel Grytøya entlang. Unser Blick fällt durch die blitzblanken Fenster auf Berge, Wiesen, die wenigen Häuser und die Straße mit dem langen Tunnel. Wir fragen uns, wie das Leben der Menschen hier sein mag: Welchen Weg nehmen die Schulkinder? Wo sind die Leute berufstätig? Wie lebt es sich hier im Winter?


Grytøya vom Toppsund aus

Das Wetter verändert sich tatsächlich, aber es wird nicht besser: Die Wolken hängen immer tiefer, wir haben kaum noch Sicht auf die Landschaft, die wir teilweise nur erahnen könenn. Wie schön die Fahrt im Sonnenschein sein muss! In Sortland liegen wir viel länger als geplant, obwohl der Staplerfahrer seine ganzen Fahrkünste aufbietet. Damit wird es wohl nichts mit dem Besuch des Hurtigrutenmuseums in Stokmarknes. Dafür hat sich dort am Kai eine Blaskapelle in Position gebracht, die den Fahrgästen der M/S Nordnorge aufspielt. Die Sicht wird etwas besser, wir fahren durch den Hadselfjord auf den Raftsund zu.

Hadselfjord bei Stokmarknes
Hadselfjord bei Stokmarknes

Am späten Nachmittag durchfahren wir den Raftsund. Hier weht der Wind stellenweise so stark, dass man es draußen unter der Brücke nur vermummt aushält - alle, die hier auf die Steuerbordseite gehen wollen, kommen nach wenigen Sekunden wieder zurück...

Raftsund
Raftsund

Wir nähern uns dem Trollfjord. Vereinzelte Gebäude am Ufer wecken den Wunsch, für ein paar Tage, wenn nicht Wochen hier zu bleiben. Die M/S Nordnorge ist zu groß für den Svartsund und muss erst um die Insel Ulvøya herum fahren, um in den Trollfjord zu kommen. Online-Landkarte

Raftsund

Nachdem wir Ulvøya umrundet haben, sehen fast alle erwartungsvoll nach vorn in den Grunnfjord, bis plötzlich an Backbord diese schmale Lücke auftaucht. Das ist der Trollfjord? Da passen wir doch niemals rein!

Einfahrt zum Trollfjord
Einfahrt zum Trollfjord

Spätestens jetzt bekommt man Respekt vor den Fähigkeiten der Schiffsführung. Zwei Kajakfahrer drängen sich ans Ufer und machen Platz. Die glatten, mehrere hundert Meter hohen Felswände sind zu Greifen nah. Am Ende des Fjords dreht das große Schiff im Becken auf der Stelle. Ich hatte das schon in Harstad gesehen, aber dieses Manöver hier fasziniert mich total. Die Querstrahlruder wirbeln das grüne Fjordwasser auf, wenige Meter vor der Felswand stoppt der Koloss, um anschließend wieder herauszufahren, als sei dies die natürlichste Sache der Welt...

Im Trollfjord
Im Trollfjord

An Digermulen vorbei passieren wir Stormolla und laufen auf Svolvær zu.

Stormolla
Stormolla

Bei der Einfahrt in den Hafen von Svolvær hallt die Schiffshupe gewaltig von den Bergen wider - jetzt weiß auch wirklich jeder auf der Petrine, dass wir kommen. Oliver, der vom Ufer aus die M/S Nordnorge mit seiner DV-Kamera aufnimmt, zuckt derart zusammen, dass selbst die Fuzzy Logic versagt. Ich entdecke erst spät die Petrine: Nur die beiden Holzmasten sind links vor dem weißen Gebäude zu sehen. Am Kai werden wir von einer Petrine-Delegation in Empfang genommen und zum Liegeplatz eskortiert.

Svolvær
Svolvær

Wir sind fast die letzten Ankömmlinge für den Lofoten-Törn, nur ein Mitreisender fehlt uns noch. Bis morgen werden wir noch in Svolvær bleiben, dann soll es los gehen. Also wird nach der herzlichen Aufnahme an Bord erst einmal lecker und reichlich gegessen: Zwiebelkuchen mit Senfsoße! Ich bekomme genau meine alte Koje wie 1996 zugeteilt, prima.

Petrine in Svolvær
Petrine in Svolvær

Das war sie also, die lange Anreise zur "kleinen" Petrine. Bis hierher haben wir ganz schön viel erlebt, doch es kommt hoffentlich noch besser...

 
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