Donnerstag: Trollfjord, Raftsund und Hadselfjord

Gegen Mitternacht fahren wir in den Trollfjord ein und machen an der Pier des E-Werkes fest. Lagerfeuer machen wir nicht, wir genießen den nächtlichen Sonnenschein auf die schneebedeckten Gipfel und das Rauschen der Wasserfälle, ein paar Seevögel schreien entfernt. "Es ist wie in den Schweizer Bergen", meint Roland - nur die Quallen im "Bergsee" sind doch etwas ungewöhnlich. Wir leeren die Flasche schottischen Whiskys mit vereinten Kräften und gehen nach einem weiteren wunderschönen Tag zur Ruhe. Es ist 3 Uhr morgens.

Um 7 Uhr aufstehen, ich habe Frühstücksdienst. Vier Stunden Schlaf müssen reichen, der Rest wird später nachgeholt. Es ist richtig warm geworden, schon gestern ist mir der warme Luftstrom im Trollfjord aufgefallen. Die Berge haben sich rausgeputzt und geben im Sonnenschein mächtig an.

Petrine im Trollfjord, 1 Uhr morgens
Petrine im Trollfjord, 1 Uhr morgens

Petrine im Trollfjord, 8 Uhr morgens
Petrine im Trollfjord, 8 Uhr morgens

Das Wetter heute wird wohl meine kurze Hose aus der Tasche locken. Als selbst Nicole wild entschlossen eine Runde im kalten Fjordwasser schwimmt, kann ich nicht als Memme an Deck bleiben, zumal ich über die schützende Speckschicht verfüge. Also Hose aus und rein. Tief durchatmen, schwimmen, schwimmen! Ich mache den Mund nicht richtig zu und bekomme den Salzgehalt des Fjordwassers zu schmecken. Trotzdem ist es herrlich. Die glitschige Strickleiter ist zwar zuerst ein Problem für mich, aber dann entschädigt mich der Luxus einer warmen Dusche auf der Petrine - durch sie wird das Trollfjordschwimmen zu einer wirklich genialen Sache.

Um 10 Uhr tuckern wir los. Der Trollfjord kommt mir jetzt viel breiter vor als am letzten Samstag. Vorbei an den steilen Felswänden und am Wasserfall erreichen wir den Raftsund.

Fahrt aus dem Trollfjord  Wasserfall am Trollfjord
Fahrt aus dem Trollfjord

Blick zurück in den Trollfjord
Blick zurück in den Trollfjord

Grunnfjorddalen
Grunnfjorddalen

Im Raftsund

Autofahrer auf der Straße nach Digermulen bleiben extra stehen und grüßen uns freundlich, von anderen Schiffen wird uns ebenso zugewunken. Wir nähern uns der Raftsundbrücke. Meine Befürchtungen zerstreuen sich: Wir passen tatsächlich drunter durch (hinterher fällt mir ein, dass die MS Nordnorge auch locker durchfahren konnte...).

Im Raftsund
Im Raftsund

Durchfahrt unter der Raftsundbrücke
Durchfahrt unter der Raftsundbrücke

Endlich können wir Segel setzen, und der Wind scheint es gut mit uns zu meinen: Eine der schönsten Segelstrecken beginnt. Auf glitzerndem Wasser gleiten wir durch die liebliche Landschaft. Weiße Sandstrände auf kleinen Inseln sehen sehr einladend aus, wir trödeln aber gemütlich dahin. Wir machen es uns in T-Shirt und kurzer Hose an Deck bequem.

Sandstrände im Hadselfjord
Sandstrände im Hadselfjord

Im Hadselfjord
Steinbruch Rødsand auf der Insel Hinnøya,
dahinter Totinden ("Zweispitze") und Tretinden ("Dreispitze")

Vor Sortland überfällt Jochen plötzlich die Eitelkeit. Er setzt die Kappe auf und gibt Order: Toppsegel setzen, Groß und Besan als Schmetterling aufgefiert: In Würde zieht die Petrine unter der Sortlandsbrücke durch. Etwas mehr Zuschauer hätten wir uns aber schon gewünscht...

Wir lassen Sortland hinter uns...
Wir lassen Sortland hinter uns...

Im Sortlandsund
Im Sortlandsund

Es geht auf den Risøysund zu
Es geht auf den Risøysund zu - was macht der Wind?

Später verlässt uns der Wind, wir motoren wieder. Vor Risøyhamn hat Agge doch noch Vertrauen zu mir und lässt mich die Petrine steuern. Unter der Brücke durch ("jo, nochn Büschen Steuerbord") und dann durch die Risøyrinne. Meine Güte, die Leute auf den großen Hurtigruten-Pötten können wirklich fahren.

Seevögel begleiten uns durch die sonnige Nacht. 24 Uhr: Ende meiner Wache, ich werde abgelöst. Da fällt mir ein, dass ich ja den fehlenden Schlaf der letzten Nacht nachholen wollte. Verflixt, das habe ich ganz vergessen. Umso schneller fallen mir jetzt die Augen zu...

 
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