Norwegen mit dem Wohnmobil

Ein Familienurlaub im sonnigen Sommer 2004

Ein lang ersehnter Traum soll in Erfüllung gehen:
Mit dem Wohnmobil nach Norwegen! Nach fünf Reisen ins geliebte Land (mit dem Motorrad, VW-Bus, Bahn/Bus/Segelschiff) soll es diesmal ein Verkehrsmittel sein, in dem wir nicht nur von A nach B fahren, sondern auch schmackhafte Mahlzeiten zubereiten und anschließend schlummern können...

Reiseplanung

Welches Womo soll es sein?

Von unserer ersten Womo-Tour vor einigen Jahren wissen wir: Täglich Betten bauen nervt! Also müssen es vier Schlafplätze sein, die wir "einfach so" nutzen können, ohne die Sitzgruppe umzubauen. So können wir auch mal bei einer Rast schnell ein kleines Nickerchen machen...


Das Womo: Hymercamp 524

Hymercamp 524
Hymercamp 524

Länge/Breite/Höhe: 604/227/290 cm
Fahrzeug: Fiat Ducato
zul. Gesamtmasse: 3500 kg
Schlafplätze: 4, max. 6
Mietdauer: 21 Tage
Mietpreis komplett: 2.376 Euro
Link: www.duerrwang.de

Bei der Suche nach einem Womo-Vermieter haben wir viel erlebt: Nicht nur bei den angebotenen Fahrzeugen gibt es viel Licht und Schatten, auch die Geschäftsräume sprechen für sich. Unser Fazit: Nicht nur auf den Preis achten, sondern rechtzeitig (Anfang Januar) zu den Vermietern hinfahren. Ein Blick in die Fahrzeuge und auch in die Räume des Vermieters gibt meist gute Auskunft über das, was man für sein Geld bekommt. Wir entscheiden uns für die Firma Dürrwang in Dortmund. Zugegeben: Die blitzsauberen Ausstellungsräume sehen zuerst nur nach Verkauf aus und bei der Marke Hymer denken wir spontan an vollintegrierte Dickschiffe für Geldsäcke. Ist das nicht alles zu fein, zu teuer und zu spießig für uns?

Uns gefällt der Hymercamp 524 (siehe Kasten): Genug Schlafplätze, mit 6 Metern Länge noch einigermaßen handlich, mit 3,5 t noch ohne 80 km/h-Limit zu fahren. Der Mietpreis ist wie erwartet hoch, aber absolut konkurrenzfähig. Besonders interessant die "km-Flatrate" (alle km im Preis enthalten). "Unser" Womo ist aber noch gar nicht geliefert worden: Erst im Februar/März erwartet der Vermieter das Neufahrzeug, also wird uns kein altes Schätzchen angeboten. Nachdem uns der Chef schließlich noch anbietet, dass wir das Womo ohne Aufpreis schon einige Tage früher zum Einräumen abholen könnten, falls es dann nicht vermietet ist, sind wir überzeugt und unterschreiben den Mietvertrag. Puh, das wird aber ein teurer Urlaub!

Welche Fähre soll es sein?

Diese Frage stellt sich bei jeder Norwegen-Reise neu, und mit einem Womo ganz besonders. Da gibt es viel zu bedenken: Die meisten Fährgesellschaften verlangen bei Womos über 6 Metern Länge einen saftigen Aufpreis - und unseres ist schon ohne den Fahrradträger 6,04 Meter lang!


Die Fähre: Stena Saga

Stena Saga

Strecke: Frederikshavn-Oslo
Fahrzeit: 10:00 bis 18:30 Uhr
Kosten: 235 Euro (eine Strecke)
inklusive: Womo, 4 Personen, Kabine, Mittagsbuffet
Link: www.stenaline.de

Diesmal wählen wir für die Hinreise die Strecke Frederikshavn-Oslo der Stena Line. Es wird zwar eine Tagesfahrt, aber wir haben ja ein Womo und die Zwischenübernachtung ist kein Problem. Der Preis ist günstig, da gönnen wir uns noch den Luxus einer 4-Bett-Außenkabine und das skandinavische Mittagsbüffet. So können wir ausgeruht, geduscht und satt am frühen Abend in Oslo ankommen.

Die Rückreise soll über Kopenhagen gehen, weil wir dort noch meinen Freund Erik besuchen wollen. Hier ist keine Reservierung notwendig, was uns flexibel und unabhängig macht. Da ich weiß, dass Scandlines Schweden 10 % Rabatt bei Vorlage der Camping Card Scandinavia gewährt und wir die Karte sowieso in Schweden benötigen, bestelle ich die CCS vorab. Auf der Rückreise wird mich die freundliche Schwedin am Autoschalter von HH Ferries in Helsingborg fragen: How long is your car?, und meine (abgerundete) Antwort six meters ohne nachzumessen akzeptieren. So kostet uns das Kombiticket Helsingborg-Helsingør/Rødby-Puttgarden dann nur 66,50 Euro - bei mehr als sechs Metern Länge wird fast der doppelte Betrag fällig...

Welche Reiseroute?

Routenplanung

Die grobe Planung sieht so aus: Von Oslo westlich Richtung Telemark und Setesdal, dann nordwärts ins Fjordland und nach Jotunheimen, später Richtung Hedmark und schließlich über Schweden zurück. Die genauen Etappen wollen wir nach Lust und Laune von Tag zu Tag festlegen. Die umgekehrte Richtung hätte auch ihren Reiz: Lange Anreise über Schweden und dabei Einstimmung auf die skandinavische Landschaft, danach Norwegen und zum Schluss Stadtbesichtigung in Oslo und Rückfahrt (über Nacht) nach Frederikshavn.

Völlig unvorbereitet und ahnungslos irgendwo hin zu fahren, das ist nicht mein Ding. Liebend gerne stöbere ich in Büchern und im Internet, um mich über das Land zu informieren, in das ich reise. Meine Dänischkenntnisse sind dabei ein großer Vorteil: Webseiten in norwegischer Sprache sind kein Hindernis für mich. Die skandinavischen Sprachen sind (jedenfalls in geschriebener Form) auch nicht wirklich schwer zu verstehen, also Leute: Traut Euch! Mir sind sie übrigens zuerst wie eine Mischung aus plattdeutsch, englisch und niederländisch vorgekommen...

In Norwegen gibt es überall etwas zu entdecken. Es ist schlicht unmöglich, mit einer dreiwöchigen Reise das ganze Land zu erkunden. Weniger ist mehr, und Tagesetappen von 200 km sollten reichen. Zur Planung haben mir für Südnorwegen die Reiseführer Norwegen Süd/Mitte aus dem Verlag Martin Velbinger und Südnorwegen mit Lofoten (!) aus dem Reise Know-How Verlag wertvolle Dienste geleistet. Eine umfangreiche Sammlung von Buchtipps findet sich auf den empfehlenswerten Webseiten der Norwegen-Freunde im Bereich Bibliothek.

Wir suchen uns nur eine grobe Route durch Norwegens Süden aus, mit einigen fest vorgemerkten Strecken, Zielpunkten und Varianten. Dabei ist uns von Anfang an klar, dass wir davon nicht alles "abarbeiten" werden. Wir wollen einfach das tun und lassen, was uns Spaß macht. Die Reiseplanung ist für uns eher eine Art Kochbuch mit leckeren Rezepten. Was und wieviel wird davon genießen werden, wollen wir von Tag zu Tag entscheiden.

Was mitnehmen?

In Norwegen ist alles schweineteuer - dieses Vorurteil bringt viele Womo-Touristen dazu, die Stauräume mit Lebensmitteln vollzustopfen, um sich drei Wochen lang von Nudeln, Reis und Konservendosen zu ernähren. Diese Frage führt auch im Forum der Norwegen-Freunde immer wieder zu langen Diskussionen. Ich stelle erstmal eine Packliste zusammen, die vermutlich sogar zum Auswandern reicht: Packliste als PDF-Datei. Eigentlich wollen wir auf den Einkauf vor Ort setzen und nur eine Grundausstattung für die ersten Tage mitnehmen...

Die Vorbereitungen

Damals bei unserer ersten Womo-Tour wollten wir unsere Sachen einräumen und noch am selben Tag losfahren - den Stress möchten wir nicht noch einmal haben: Ein ganzer Tag Zeit zum Einräumen muss sein! Das Womo können wir am Dienstag Nachmittag abholen, am Mittwoch Mittag gleich nach der Schule soll es losgehen.

Wenn da nicht der nette Herr Dürrwang gewesen wäre: Wie schon oben geschrieben, können wir unsere rollende Unterkunft schon am Freitag statt am Dienstag abholen - vier Tage früher ohne Aufpreis! Da können wir alles in Ruhe angehen lassen.

Es ist gar nicht so einfach, die Dinge so zu verstauen, dass man alles gut erreichen kann, ohne den halben Wagen leerzuräumen. Die Freude über den 4-fachen Fahrradhalter am Heck währt aber nicht lange: Ich montiere unsere Räder mal zur Probe und stelle fest, dass da hinten doch ein ganz stattliches Gewicht dranhängt und den Fahrzeugschwerpunkt noch weiter nach hinten verlagert. Kurzer Kriegsrat, dann ist es klar: Wir nehmen nur zwei Räder mit. Später werden wir feststellen, dass es ein Fahrrad auch getan hätte...

Am Abend vor der Abreise wird noch der Frischwassertank zur Hälfte gefüllt - wir müssen ja nicht unnötig Ballast durch halb Europa fahren. Gut, dass es wenigstens im Fahrerhaus eine Klimaanlage gibt: Morgen soll es richtig warm werden!

 
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