Am Aurlandsfjord

Sonnenschein, Wärme und hoher Schnee

Die dunklen Wolken haben sich verzogen, die Sonne scheint. Der Fjord ruft!

Freitag, 30.07.2004 [197 km]

Die Landschaft entlang der Rv 50 ist das real gewordene Werbefoto aus dem Visit-Norway-Prospekt. Auf dem Weg hinunter nach Aurland passieren wir viele Tunnel, die uns den Blick auf diese schöne Gegend leider verdecken. Anders herum gesehen: Durch die Tunnel verschandeln nicht so viele Wohnmobile die Landschaft...

An der Rv 50 nach Aurland

Weiter unten verlassen wir den Stondalstunnel und haben eine herrliche Aussicht auf den Vassbygdvatn, im Hintergrund sehen wir schon den Aurlandsfjord. Die Stromerzeugung durch Wasserkraft ist in Norwegen allgegenwärtig: Hochspannungsmasten gehören inzwischen zum Landschaftsbild dazu.

Blick auf den Vassbygdvatn, im Hintergrund der Aurlandsfjord

Dann geraten wir unerwartet in unseren ersten und einzigen Stau Norwegens: Die Strecke führt durch mehrere Tunnel, in denen der Verkehr einspurig und mit Ampeln geführt wird. Der Grund dafür wird uns bald klar: In den Tunneln gibt es enge Kurven, in denen sich Busse und LKW besser nicht begegnen...

Wir bleiben auf der Rv 50 und fahren am Aurlandsfjord entlang nach Flåm. Hier ist es so warm, dass ich am Bahnhof (vergeblich) nach einem Parkplatz im Schatten suche. Leider bin ich der Einzige von uns, der bei diesem Wetter Lust auf eine Fahrt mit der Flåmsbahn hätte. Ich kann die Enttäuschung nur schwer wegstecken, denn bei solch einem Prachtwetter werde ich wohl so schnell nicht wieder nach Flåm kommen. An der Straße nach nach Berekvam im Flåmsdal erwischt es mich schon wieder: Ein unübersehbares Schild bezeichnet diese Strecke als "ungeeignet" für Wohnmobile! Meiner Meinung nach nur eine Maßnahme zur Lenkung der Touristentröme, doch ich füge mich nochmals der Mehrheit an Bord unseres Womos und drehe um.

Die Entschädigung lässt nicht lange auf sich warten: Zwischen Flåm und Aurland besuchen wir den Otternes bygdetun, einen Museumshof mit 27 alten Gebäuden hoch über dem Aurlandsfjord. Von hier hat man eine erstklassige Aussicht auf Flåm.

Blick auf den Aurlandsfjord, im Hintergrund Flåm
Otternes Bygdetun

Als Museumshof ist Otternes nicht nur wegen der phantastischen Lage interessant. Hier ist alles mit Liebe hergerichtet, die Leute sind sehr freundlich und geben gerne Auskunft. Es werden auch verschiedene bäuerliche Tätigkeiten wie Käseherstellung gezeigt.

Otternes Bygdetun

In einem der Gebäude gibt es in stilvoller Atmosphäre Kaffee und Lapper, eine Art Pfannkuchen. Ich bin sozusagen im Himmel...

Aussicht vom Otternes Bygdetun Richtung Aurland

Wir stöbern noch nach Herzenslust in den Gebäuden und auf dem Gelände herum. Dieses Museum ist wirklich einen Besuch wert!

Aussicht vom Snøvegen

Später machen wir uns dann auf in Richtung Lærdal und können dabei zwischen zwei Alternativen wählen: Die schnelle Variante führt durch den Lærdalstunnel, mit 24,5 km der längste Straßentunnel der Erde. Wir entscheiden uns für die aussichtsreichere Variante und nehmen den 48 km langen Snøvegen, der uns auf über 1.300 m Höhe bringen soll.

Die Straße windet sich vom Aurlandsfjord in die Berge hoch, und das Womo hat ordentlich zu schaffen. Oben auf der Passhöhe machen wir erst einmal eine Pause - und stellen fest, dass der Snøvegen seinen Namen nicht umsonst hat: Hier ist es ganz schön kalt!


Panorama: Aussicht auf dem Aurlandsvegen

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Die Kühle, die Ruhe und der weite Blick von hier oben sind ein spürbarer Kontrast zur Wärme und Geschäftigkeit unten am Fjord. Hier schaltet man automatisch "einen Gang zurück" und lauscht dem Murmeln des Baches.

Ich stelle meine Mitreisenden wieder auf eine Geduldsprobe, als ich ein 360°-Panorama mit dem Stativ mache. Danke, Ihr Lieben, das Warten war nicht vergebens.

Am Snøvegen

Selbst jetzt, Ende Juli, liegt der Schnee an manchen Stellen noch über zwei Meter hoch.

Vor der Abfahrt hinunter nach Lærdal bietet sich noch einmal ein Fernblick auf schneebedeckte Berggipfel in der Ferne.

Am Snøvegen

Unterwegs treffen wir überraschend Rinder auf der Fahrbahn an - sind die nun ausgebüxt oder wohnen die hier?

Im Erdal

Es ist nun bald an der Zeit, dass wir uns nach einem Standplatz für die Nacht umsehen. Der Campingplatz in Revnsnes liegt sehr ruhig, seit dem der Fährbetrieb hier eingestellt wurde. Irgendwie sagt uns der Platz aber nicht zu, und wir fahren zurück in Richtung Lærdalsøyri und weiter das Tal hinauf. Durch zwei neue Tunnel vor Borgund sind die alten Straßenabschnitte nun recht einsam. Wir umfahren die Tunnel, sehen den Galdane-Hof im steilen Berghang über tosendem Wasser und fragen uns, wie die Menschen wohl diesen Hof erreichen.

Auch den nächsten Tunnel umfahren wir auf der alten Straße, und bei Husum findet sich ein ruhiger Wanderparkplatz, wo wir heute unser Nachtquartier aufschlagen wollen.

 
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