Am Sognefjord

Alte Wege, alte Kirchen, neue Tunnel

Der Tag beginnt mit einer wunderschönen Wanderung, die mit einem ausgedehnten Brunch im Wohnmobil endet.

Samstag, 31.07.2004 [60 km]

Vindhellavegen

An unserem Übernachtungs-Parkplatz weist uns eine Gedenktafel darauf hin, dass hier im Jahre 1901 der erste Automobiltourist in Norwegen vorbeifuhr: Der Niederländer Beduin war auf dem Weg von Kristiania (Oslo) nach Bergen. Nachdem dieses geschichtsträchtige Ereignis geklärt ist, starten wir unsere Wanderung über den Vindhellavegen. Dieser Verkehrsweg vergangener Zeiten wurde vor über 200 Jahren gebaut (siehe Kasten) und zeugt heute noch von der harten Arbeit des Wegebaus.

Vindhellavegen

Immer steiler geht es hinauf - wie schwer muss es gewesen sein, hier die Pferdekutschen zu bremsen? Uns geht zwischendurch die Puste aus, und mir bleibt das Herz fast stehen, als die Kinder den Weg verlassen und als "Abkürzung" geradeaus die steile Böschung hinaufklettern. Kondition haben sie ja, das muss ich zugeben!

Vindhellavegen

Weiter oben fällt der Blick eindrucksvoll zurück auf die verschlungenen Serpentinen. An eine Passage im Winter mag ich jetzt gar nicht denken. Der Weg führt nun geradeaus, und bald ist der höchste Punkt erreicht.

Vindhellavegen

Alte Verkehrswege im Lærdal:

...der mühsamste Weg, den es in irgend einem Land geben kann... (Bischof Pontopiddan 1749)

Der Weg von Lærdal über das Filefjell zum Valdres gehört zu den ältesten öffentlichen Wegen in Sogn og Fjordane. Im Laufe der Zeit wurde hier fünf verschiedene Wegtrassen benutzt, und die alten Wege laden heute noch zu Wanderungen ein.

Die Strecke von der Stabkirche von Borgund hinunter bis Seltun war besonders schwierig und gefährlich. Im Jahre 950 noch Tjodgata genannt, sollte der Weg so breit sein, dass man auf dem Pferderücken einen Speer quer tragen konnte. Gleich bei der Stabkirche von Borgund beginnt der Sverrestien, benannt nach dem König Sverre, der hier im Jahre 1177 geritten sein soll. Diese Strecke war aber nicht für Fahrzeuge geeignet.

1793 wurde mit dem Vindhellavegen zwischen Borgund und Husum der erste Fahrweg für Pferdekutschen gebaut, damit ... man nun mit Karre oder Wagen an den Stellen vorbeifahren kann, die vorher nur unter Lebensgefahr mit dem Pferd zu passieren waren. Aber auch diese Strecke war noch recht steil; sie wurde 1843 mit imponierenden Mauern modernisiert und ist bis heute erhalten. Beide Strecken zusammen ergeben eine prima Rundwanderung, die man sowohl an der Stabkirche von Borgund als auch am Parkplatz bei Husum beginnen und beenden kann.

Weiter talabwärts beginnt der Øygardsvegen bei Nedre Kvamme. Er führt an mehreren Wasserfällen vorbei zum Bauernhof Galdane aus dem 17. Jahrhundert und trifft weiter talabwärts bei Seltun wieder auf die E 16.

Auf der anderen Seite des Flusses befinden sich die Seltåsvegane, ein alter Postweg von 1767 und ein Fahrweg von 1847, der über eine 18 m hohe freie Mauer führt und mehrere Aussichtspunkte auf das Galdane-Gehöft und den Wasserfall Soknefossen bietet.

Alle diese Wege wurden 1870 durch die neue Straße abgelöst, die am Fluss entlang führte, um die Überquerung der Berge zu vermeiden. Seit dem hat sich der Straßenbau wieder ein Stück weiter entwickelt, und heute geht der Weg durch den Berg: Die heutige E 16 führt seit 2003 durch zwei neue Tunnel, und die alten Straßenabschnitte haben enstprechend wenig Verkehr.

Weitere Informationen: www.alr.no

Stabkirche von Borgund

Mit sanftem Gefälle geht es auf der anderen Seite hinunter ins Tal, wo wir uns an der Straße rechts halten und nach ein paar hundert Metern die Stabkirche von Burgund erreichen. Es ist kurz vor 10 Uhr, und noch ist der Busparkplatz leer. Das ändert sich aber schnell, und wir flüchten uns vor den Menschenmassen auf den Sverrestien, der direkt an der Stabkirche beginnt.

Am Sverrestien

Hier sind wir wieder allein - jedenfalls fast: Unterwegs treffen wir König Sverre, der sich bereitwillig mit uns auf ein Erinnerungsfoto bannen lässt. Wir folgen dem Weg weiter, der später kurz vor dem Parkplatz bei Husum auf die alte E 16 mündet. Zum Abschluss dieser feinen kleinen Wandertour gönnen wir uns eine ausgiebige Mahlzeit als Brunch im Wohnmobil, dann geht es auf der E 16 talabwärts weiter Richtung Lærdalsøyri.

Die Fähre von Revsnes nach Kaupanger hat ihren Betrieb eingestellt, nachdem der 6,6 km lange Tunnel von Lærdalsøyri nach Aspevik fertiggestellt wurde. Jetzt geht die Fähre von Fodnes nach Manheller, wo die Straße in Richtung Kaupanger vom Fähranleger direkt in den knapp 3 km langen Amlatunnel führt. Am steilen Berghang ist hier so wenig Platz, dass für die Wartespuren aus Richtung Kaupanger die Tunneltrasse "verbogen" werden musste!

Sognefjord

Hoch oberhalb von Amla und Kaupanger führt die Straße Richtung Sogndal, wo wir im Supermarkt einkaufen und schon am Nachmittag auf dem Kjørnes Camping eintreffen. Der gut ausgestattete Platz liegt recht ruhig direkt am Fjord, wo wir erst einmal eine Runde schwimmen.

Leseratte im Alkoven (23:13)

Für den Rest des Tages ist Entspannung angesagt, und so kommt auch der mitgebrachte Lesestoff zum Einsatz.

 
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