Von Mariendal nach Hammer Bakke

Mit der Fähre von Århus verlasse ich Jütland und setze nach Kalundborg auf Seeland über.

Freitag, 24.06.2005 [50 km]

Nach einer teilweise unruhigen Nacht werde ich trotzdem ausgeruht wach. So ein Strohlager ist einfach Klasse! Man darf nur keine kleinen Gegenstände herumliegen lassen, sonst weiß man, was "die Nadel im Heuhaufen suchen" bedeutet.

Abfahrt in Ajstrup Strand

Im Mariendal Gård benutze ich kurz die Dusche, fühle mich danach richtig gut. Nach dem entspannten Frühstück im Ferienhaus bei Martina und Martin (danke nochmal!) radele ich auf der nationalen Route 5 nordwärts Richtung Århus. Die Strecke verläuft zuerst über manchmal etwas weiche Sand-/Kieswege, aber sehr schön durch den Wald an der Ostseeküste entlang. Immer wieder treffe ich auf Rastplätze mit Picknicktischen oder erlebe einfach auf eine schöne Aussicht hoch über dem Meer. Eine Pause tut beim ständigen Wechsel von bergauf und bergab gut...

Auf den Weg nach Århus komme ich an der Moesgård Skovmølle vorbei. Die alte Wassermühle im Wald ist heute ein sehr einladendes Restaurant mit vielen Sitzgelegenheiten im Freien. Da eine Wassermühle bekanntlich meist unten im Tal liegt, geht es dahinter also wieder bergauf, und bis Århus bleibt es dann auch beim Auf und Ab.

Eigentlich wollte ich mir noch ein wenig die Stadt ansehen, das soll sich lohnen. Weil mir aber so recht keine Idee kommt, wo ich mein Rad mit Gepäck so lange stehen lassen kann, versuche ich die Fähre um 12 Uhr Richtung Kalundborg zu erreichen. Im Hafengelände darf ich mit dem Rad nicht auf der Autospur fahren, sondern muss mich am Fußgänger-Terminal melden. Ich verfahre mich erst einmal gründlich und verpasse fast den Meldeschluss um 11.45 Uhr. Das Ticket für 140 Kronen bekomme ich aber noch und werde etwas später freundlich an Bord gewunken. Direkt hinter mir schließt sich die große Ladeluke, ich verstaue mein Rad in einer Nische auf den Autodeck und gehe gleich nach oben auf's Sonnendeck. Pünktlich um 14.30 Uhr erreicht die Mette Mols Kalundborg. Wie immer lassen einige Autofahrer viel zu früh den Motor an, und ich darf mehrere Minuten lang die Abgase einatmen.

Auf der Fähre habe ich den Zugfahrplan ab Kalundborg gelesen und festgestellt, dass passend ein Zug Richtung Holbæk fährt. Der Bahnhof ist direkt neben dem Fähranleger, und ich erkundige mich nach dem Fahrpreis: 77 DKK für mein Rad und mich bis Holbæk, da sage ich nicht nein. Der gestrige Tag hat mich doch etwas mitgenommen...

Im Hafen von Holbæk

Im klimatisierten Doppelstock-Zug geht es in gut 40 Minuten nach Holbæk. Ich schiebe das Rad durch die belebte Stadt und kaufe im Kvickly-Supermarkt ein, bevor ich mich im Hafen umsehe.

Es ist inzwischen kurz nach 16 Uhr, und auf die Fähre nach Orø müsste ich noch fast eine Stunde warten. Eigentlich habe ich heute ja noch nicht wirklich viel geradelt, also auf in die Pedalen! Mein Ziel ist der Übernachtungsplatz Hammer Bakke, den ich bei meiner Tour vor vier Jahren schon besucht habe.

Die Fahrt stadtauswärts in Richtung Frederiksund ist anfangs etwas nervig, viel Autoverkehr und Hektik. Später wird es dann ruhiger, und die Straße überquert auf der Munkeholmen-Brücke die Bucht von Bramsnæs. Auf der anderen Seite ein Kro und ein Eis-Kiosk, an dem eine junge, blonde, sommersprossige Dänin mit großen blauen Augen Eiskugeln in selbst gebackene Waffeltüten portioniert. Der Zulauf ist hier wirklich ernorm - das kann aber nicht nur am hübschen Mädel liegen, denn das Eis ist wirklich gut. Es wird übrigens auch eine Brücken-Tüte angeboten: Sechs (6) große Kugeln Eis, Sahne, Marmelade und Streusel oben drüber! Zwei junge Männer, die mit Sicherheit nicht nur wegen der Eistüten gekommen sind, versuchen sich an dem Monster-Eis.

Es ist mir schon oft aufgefallen: In Dänemark gibt es viel mehr roten Klatschmohn als bei uns in Deutschland. Und heute ist Klatschmohn-Tag. Mal in den dänischen Landesfarben zusammen mit weißen Blumen, mal wie ein Meer aus roten Blüten.

Klatschmohn am Straßenrand Klatschmohn auf dem Feld

Ich bin von dieser Pracht einfach überwältigt, bleibe lange stehen und genieße. Dann geht es wieder mal bergauf, dafür entschädigt der Radweg mit getrennten Fahrstreifen für jede Richtung, als ob hier Heerscharen von Radfahrern in die richtigen Bahnen gelenkt werden müssten...

Bucht von Bramsnæs Radweg

Zwischendurch bietet sich noch eine schöne Aussicht auf die Bucht von Bramsnæs, bevor es über Ejby nach Kirke Hyllinge herauf geht.

Kirke Hyllinge

Schon von Weitem leuchtet die Kirche in der Sonne, sie hat eine wirklich schöne Außenanlage. Ich fahre durch den Ort und finde eine typisch dänische Wohnsiedlung vor und erst am Ende des Ortes die Infrastruktur: Zwei Supermärkte, ein Schlachter, ein Bäcker und verschiedene andere Geschäfte, selbst ein Frisör fehlt hier nicht. Der SuperBest-Supermarkt ist erstaunlich groß und sehr gut sortiert, nach einer kalten Flasche Tubrog Grøn halte ich aber vergeblich Ausschau. Also muss das warme Bier jetzt mit auf's Rad...

Ein Bouquet am Straßenrand...

Über Nørre Hyllinge geht es weiter nach Vellerup und von dort in Richtung Orø. Unterwegs freue ich mich über den natürlichen Blumenschmuck am Straßenrand und reetgedeckte alte Häuser.

Langhaus in Vellerup

Die Insel Orø ist mit zwei Fähren zu erreichen, einmal von Holbæk und über die Østre Færge, die sich am Seil in 6 Minuten über das Wasser zieht. In der Nähe des Fähranlegers liegt mein heutiger Übernachtungsplatz. Seit meinem letzten Besuch vor vier Jahren hat sich hier kaum etwas verändert. Unten am Bootshafen zeugt ein riesiger, noch frischer Aschehaufen von einem ebenso riesigen Sct.-Hans-Feuer in der letzten Nacht.

Übernachtung in Hammer Bakke

Beim Clubhaus des Nordhammer Bådelaug gibt es eine Zeltwiese und eine Schutzhütte, in der man auch schlafen kann. Auch hier bin ich heute der einzige Übernachtungsgast, habe also viel Platz. Wegen der vielen hungrigen Mücken stelle ich schließlich doch noch mein Zelt auf. Ich lasse es aber beim Innenzelt, das ich aus Bequemlichkeit einfach in die Schutzhütte stelle. So bleibt mein Zelt bestimmt trocken, denn beim Frühstück heute morgen habe ich bei Martina und Martin den Wetterbericht gehört: Eine Regenfront ist angekündigt. Inzwischen ist es so spät geworden, dass es während meiner Abendmahlzeit dunkel wird.

 
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