Von Hammer Bakke nach Grindsted

Tag der Gegensätze: Kräftiger Regen lässt mich die Radelei vorzeitig beenden. Lukullische Genüsse im Sonnenschein.

Samstag, 25.06.2005 [35 km]

Ein Bouquet am Straßenrand...

Um fünf Uhr werde ich von einem Rauschen geweckt. Ist denn schon die für heute angekündigte Schlechtwetterfront da? Ich sehe nach draußen, aber es regnet nicht. Nur die Pappeln in einiger Entfernung rauschen kräftig im Wind – das haben sie heute Nacht bestimmt noch nicht getan. Dann ist also wirklich anderes Wetter in Sicht. Ich versuche noch einmal zu schlafen, vergeblich. Um 6 Uhr stehe ich auf und beginne schon mal damit, meine Sachen zu packen. Ich möchte wenigstens bis Frederikssund trocken radeln können, dann werde ich weiter sehen.

Schon um 7:45 Uhr bin ich unterwegs, inzwischen hat sich der Himmel bedrohlich zugezogen. Ich freue mich noch einmal über die Blumen am Straßenrand und mache Fotos. Dann fallen kurz vor Frederikssund die ersten Tropfen vom Himmel und ich krame die Regensachen raus. Auf der Brücke über den Roskilde Fjord kommt es knüppeldick, alles trieft und tropft. Ich fahre ins Zentrum, um die Tagesverpflegung einzukaufen. Als ich aus dem Supermarkt wieder herauskomme, hat der Regen aufgehört, die Straßen werden schon wieder trocken.

Radweg von Frederikssund Richtung Frederiksværk

Ich werde mutig und fahre ohne Regenhose los, Richtung Frederiksværk. Der Leichtsinn wird natürlich umgehend bestraft: Schon zehn Minuten später schüttet sich der nächste Regenschauer über mir aus. So macht das Radeln nicht wirklich Spaß! Um mich herum ist keine Wetterbesserung in Sicht, und ich beschließe, die Tour heute vorzeitig zu beenden. Bei Grimstrup soll ein ganz besonderer Übernachtungsplatz namens Strø Bjerge sein: In einer alten Sandgrube, die inzwischen renaturiert wurde und heute als Erholungsgebiet ausgelegt ist.

Kennzeichnung Übernachtungsplatz

Die Wegbeschreibung in Overnatning i det fri ist mit einem Hinweis auf einen gulmalede pæl (gelb gestrichener Pfahl) aber irreführend. So erwische ich statt des Eingangs in die Grube einen Fußweg durch die Felder auf den Hügel. Der Weg hat es in sich: Hier wachsen Gräser und Brennnesseln fast mannshoch, und ich kämpfe mich im strömenden Regen mit dem Rad dort durch. Meine Schuhe füllen sich im Nu mit Wasser. Nach einem halben Kilometer bemerke ich den Irrtum, nehme für den Rückweg aber eine abgemähte Wiese. Das ist doch mal um Einiges leichter! Nur 100 Meter weiter die Straße entlang finde ich dann den Weg in die Grube. Der Eingang gegenüber dem Asledgaard ist unübersehbar beschildert - aber nicht mit einem gelben Pfahl, dieser hier ist braun!

Ich treffe die Grube als einen grünen Kessel an, der sehr einladend wirkt – wenn es nur nicht so regnen würde! Es finden sich Leitungswasser, Toilette, eine Schutzhütte zum Übernachten mit Picknicktischen und Bänken. Ich befördere mein Gepäck in die Schutzhütte und entledige mich der nassen Sachen. Der Regen lässt jetzt etwas nach – wer weiß, vielleicht bekomme ich die Schuhe ja bis morgen wieder trocken.

Vom frühen Aufstehen bin ich müde. In der Schutzhütte baue ich das Innenzelt auf, um vor den Insekten Ruhe zu haben, die bei diesem Wetter natürlich Schlachtfest mit mir feiern wollen. Es ist 13:30 Uhr, ich lege mich hin und schlafe rasch ein.

Übernachtungsplatz Strø Bjerge

Als ich wieder aufwache, ist es 15:30 Uhr, und die Sonne scheint mit aller Kraft! Es ist, als ob der Vormittag nur ein böser Traum war. Die nasse Kleidung hänge ich in der Sonne auf, und schon bald ist alles wieder trocken, sogar meine Schuhe. Ich setze einen Kaffee auf, der zusammen mit der Zimtschnecke vorzüglich schmeckt. Es ist wieder richtig gutes Wetter, aber ich bleibe jetzt hier an diesem schönen Platz und mache einfach Ferien...

Außer mir ist niemand zum Übernachten hier. Zwei Frauen gehen mit ihren Hunden eine Runde spazieren, das war's aber auch. Ich frage mich: Wenn es hier so ein schönes Fleckchen gibt, warum wird es dann nicht genutzt? Es ist Samstag Abend, bestes Grillwetter – und keiner kommt! Naja, ich sollte froh sein, hier habe ich jetzt ro og fred.

Lecker

Ich habe im Supermarkt tatsächlich eine kleine Packung Geflügelfilets auftreiben können – so etwas wird hier gerne in Packungsgrößen ab 1 kg aufwärts angeboten. Gibt es hier nur Großfamilien? Zur Feier des Tages serviere ich gebratene Hähnchenschnitzel an Spinat-Pasta. Eigentlich gar nicht so schwierig mit nur einem Kocher. In der Abendsonne genieße ich die Mahlzeit.

Nach dem Abwasch steige ich die Treppe (65 Stufen) hoch und finde oben einen Tisch mit zwei Bänken. Hier lasse ich mich nieder, um den Sonnenuntergang zu beobachten.

Sonnenuntergang über Strø Bjerge

Fast genau um 22 Uhr versinkt sie hinter dem Horizont, und ich spüre sofort, dass es kälter wird. Die Feldlerche stört das wenig, sie zwitschert unentwegt ihr Lied. Ich mache mich auf in den Schlafsack. Dass dieser Tag noch so schön werden sollte, hätte ich nicht gedacht.

 
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