Frankreich im Mai

Die Anreise

Die Anreise Richtung Pyrenäen soll auf eigenen Rädern stattfinden, auch um der Provence und den Schluchten des Verdon noch einmal einen Besuch abzustatten. Über Luxemburg, Nancy und Lyon geht es nach Süden.

Frühstart

Um vier Uhr morgens werde ich an diesem Donnerstag wach, draußen ist es noch dunkel. Ich stehe trotzdem auf, denn ich möchte noch vor dem Berufsverkehr Köln erreichen. Meine Honda Deauville ist schon fast fertig bepackt und wartet aufgetankt auf den Reisestart. Als auch der frische Kaffee in der Thermoskanne seinen Platz im Tankrucksack gefunden hat, ist es kurz nach fünf Uhr. Ich verabschiede mich daheim, und ab geht es auf die A1 Richtung Köln und weiter in die Eifel. Gegen 7 Uhr erreiche ich das Autobahnende bei Blankenheim, wo ich in der Bäckerei das Zubehör zum Frühstückskaffee einkaufe.

Am Kronenburger See bei Dahlem

Frühstück

Kurz darauf verlasse ich meine Route und mache Rast am Kronenburger See bei Dahlem. Das Freizeitgelände ist zu dieser Stunde noch menschenleer und lädt mich zu einer Frühstückspause im Sonnenschein am dampfenden See ein. Für ein Bad ist es mir aber noch zu frisch, und schließlich habe ich heute noch eine lange Strecke vor mir.

Weiter geht die zügige Fahrt über Prüm und Bitburg Richtung Luxemburg. Hier wird es nach 300 km Zeit zum Tanken: In Wasserbillig sind an der Straße nach Mertert reihenweise Tankstellen, der Liter Benzin kostet hier 18 Cent weniger als in Deutschland. Um 9.30 Uhr kann ich die Fleecejacke unter der Motorradjacke weglassen, und bei makellos blauem Himmel geht es an Luxemburg-Stadt vorbei Richtung Süden: Thionville, Metz, Nancy...

Die Fahrt auf der französichen Autobahn (diese hier ist gebührenfrei) ist stressfrei, alles hält sich an das Tempolimit. Das ist schon mal anders als in Deutschland. Konsequente Ortumgehungen, konsequent Kreisverkehr und "Einfädel"-Spuren an Stelle von Ampelkreuzungen - da könnte sich Straßen.NRW mal eine Scheibe von abschneiden! So geht es auch auf Landstraßen zügig voran.

Hinter Metz spricht mich auf einem Parkplatz eine ältere Dame an, die sich verfahren hat. Auf dem Weg von Luxemburg nach Zürich wäre sie besser über Saarbrücken gefahren! Nancy macht von der Autobahn hier oben einen sehr interessanten Eindruck. Ich nehme mir vor, die Stadt mit dem Place Stanislas irgendwann noch einmal zu besuchen. Schade eigentlich, dass ich nicht länger bleiben kann: Morgen Abend treten Deep Purple hier im Zenith auf; dieses Open-Air-Ereignis hätte ich mir gerne angesehen.

Ab Nancy zeigen sich jetzt auch die ersten Wolken am Himmel. Ich gerate nur in einen ganz kurzen Schauer. Später in Vesoul lerne ich den ersten französischen Supermarkt kennen: Das Benzin ist hier deutlich günstiger als an normalen Tankstellen, und hier muss wohl auch Gott einkaufen gehen, wenn er sich in Frankreich aufhält: Die Auswahl ist riesengroß. Ich habe leider nur wenig Platz und kann auch nicht unbegrenzt essen, entscheide mich also für ein Bio-Baguette, einen sehr "duftenden", aber auch sehr leckeren Weichkäse namens Munster frech, Äpfel und eine Flasche Corbières für 1 Euro.

Vertrieu an der Rhône östlich von Lyon

Südlich von Besançon steigt die Straße hoch über das Tal des Doubs; leider gibt es hier keine Gelegenheit zum Anhalten, Ausschauen und Fotografieren. Gegen 17 Uhr entwickelt sich Lons-le-Saunier zum verkehrstechnischen Alptraum, d. h. Feierabendstau in der Nachmittagshitze. Da habe ich die Straßenverhältnisse in Frankreich etwas zu pauschal gelobt! Die letzten Kilometer bis Bourg-en-Bresse, wo ich ein Hotelzimmer gebucht habe, wollen einfach nicht enden. Nach 13 Stunden und 800 km reicht es mir für heute auch. Ich räume mein Gepäck ins Zimmer und lasse mir nach einer Dusche den 1-Euro-Corbières mit Käse und Baguette schmecken. Meine Güte, geht's mir gut!

Am nächsten Morgen verlasse ich Bourg-en-Bresse und begegne dabei einer blauen Touren-BMW. Als ich grüße, ist der Fahrer etwas irritiert: Den Schriftzug Gendarmerie auf dem Koffer erkenne ich erst jetzt. Nach kurzem Zögern grüßt mich der Fahrer aber dann doch erfreut und "spontan" zurück.

Vertrieu an der Rhône östlich von Lyon

Frühling

Der Tag beginnt neblig-dunstig ohne Sicht auf die Hügel, die laut Karte jetzt links auftauchen müssten. Dafür taucht um so überraschender die Rhône auf, die ich auf einer Brücke überquere, wo sich ein sehr schöner Ausblick bietet. Aber selbst mit einem Motorrad findet sich hier kein Platz zum Anhalten und Staunen. Die Gelegenheit ergibt sich gut einen Kilometer weiter, als sich der Ort Vertrieu trotz schlechter Sicht malerisch mit alten Gemäuern präsentiert. Auch die folgende Strecke an der Rhône entlang ist sehr schön. Entlang der N75 tauchen immer wieder Wiesen mit viel Klatschmohn auf, dessen Rot an diesem trüben Tag richtig leuchtet. Das ist also Frühling in Frankreich...

Vor Grenoble wird der Verkehr immer dichter, und ich lande unfreiwillig wieder auf einer Autobahn. Beim Anstieg zum Col de la Croix-Haute wird es immer ungemütlicher. Eine nasse Fahrbahn mit dieselspur-verdächtigen Kurven und drängelnden Lastwagen ist wirklich nicht mein Ding: Ab morgen fahre ich nur noch "gelbe" Strecken! Trotz des ungemütlichen Wetters mache ich immer wieder kurze Pausen, um die eiligen Verkehrsteilnehmer vorbei zu lassen. Dabei fällt mein Blick auf den kleinen Ort Le Percy, dessen Kirche auch im trüben Grau des Himmels weithin sichtbar ist.

Der kleine Ort Le Percy südlich von Grenoble

Nach des Passhöhe lässt es sich zügiger fahren, doch ich werde durch die Polizei gebremst: Hier liegt wirklich Diesel auf der Fahrbahn, und zwar nicht wenig! Die Strecke am Fluss Buëch entlang ist bei gutem Wetter bestimmt sehr schön. In Laragne-Montéglin tanke ich noch kurz - bis hier hat es kaum geregnet, die Sonne scheint sogar. Als es wenige Kilometer weiter hinunter ins Tal der Durance geht, fängt es heftig und ausdauernd an zu regnen! 15 km weiter habe ich mein Tagesziel, die Domaine de Fombeton erreicht, wo mir Moritz berichtet, dass es hier nun schon seit fast einer Woche so regne...

 
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