Frankreich im Mai

In der Provence

Nur ein einziger Tag würde nie und nimmer ausreichen, um die Provence wirklich zu erleben. Aber besser nur ein Tag als gar nicht hier zu sein! Ich mache mich auf Schnuppertour...

Valernes bei Sisteron

Der Regen vom Vortag hat sich verzogen, doch die Wolken hängen tief. Nach einem guten Frühstück mache ich mich zu einer Tour durch die Provence auf. Eigentlich hatte ich eine Rundfahrt über Barcelonnette geplant, bis ich in der Karte die Passhöhen lese: Col d'Allos 2247 m, Col de la Cayolle 2326 m, Col de la Bonette 2715 m...

Das Wetter der letzten Tage könne dort oben noch einigen Schnee gebracht haben, und auch für heute muss ich mit Niederschlägen rechnen. Ich verzichte also auf diese Abenteuer und fahre auf Nebenstraßen in Richtung Süden.

Sisteron

In Sisteron staune ich über die Stadt am Ufer der Durance. Hoch auf dem Fels thront die Zitadelle über der Altstadt, deren Häuser alle aneinander zu kleben scheinen.

Auf der Route Napoléon

Auf der Nebenstrecke geht es weiter, bis ich bei L'Escale auf die Route Napoléon treffe, die über Digne-les-Bains weiter Richtung Castellane führt. Südlich von Digne ist die Straße kaum noch befahren und steigt immer weiter im Tal hinauf, bis sie - nachdem sie durch ein Loch im Fels geführt wurde - sich am Clue de Taulanne durch die Felsen zwängt.

Bei der Auffahrt erkennt man deutlich, wie sich die Gesteinsschichten aufgestellt und so das Gebirge gebildet haben.

Clue de Taulanne Clue de Taulanne

Nachdem ich oben die engste Stelle passiert habe, stelle ich das Motorrad ab und wage ich mich auf der Straße ein Stück zu Fuß zurück. Ich muss mir Mühe geben, nicht magisch in den Wasserstrom hinzeingezogen zu werden, der da einige Meter unterhalb der Straße in den Naturtrögen wirbelt.

Noch ein paar Schritte weiter - zum Glück ist gerade kaum Verkehr - um die enge Kehre herum. Hier öffnet sich das Panorama des Tals mit einer beeindruckenden Aussicht. Wenn man ganz genau hinschaut, erkennt man in der Bildmitte das grüne Loch im Fels, wo die Straße hindurchführt.

Clue de Taulanne
Mit aktiviertem JavaScript erscheint hier das Video

Fahrt über die Route Napoléon: Mit meiner alten Canon PowerShot A60 habe ich mal versucht, die Fahrt hinauf zum Clue de Taulanne als Video aufzunehmen.

Auch wenn das Wetter nicht gut war und die Aufnahme kein Meisterwerk geworden ist, ist der Eindruck ganz anders als auf den Standbildern.

Das Video dauert insgesamt etwa 6 Minuten; die Hintergrund-"Musik" kan man auch ab- oder leise stellen.

Backofen am Straßenrand

Bevor es über den Col des Lèques hinunter nach Castellane geht, entdecke ich am Straßenrand auf einer Wiese einen Backofen. Dieses Bauwerk macht direkt Lust auf Backen!

Lac de Castillon

Bei der Abfahrt nach Castellane beginnt es zu regnen, nur in der Ferne leuchtet der Lac de Castillon türkis im Sonnenschein.

Castellane

Von hier oben zeigt sich Castellane in einem eigentümlichen Licht. Rings herum ziehen dunkle Regenwolken auf, nur über dem Hausberg steht eine weiße Wolke, die von der Sonne angeleuchtet wird.

Obwohl jetzt zur Mittagszeit eine Pause gut tun würde, kann ich mich nicht entscheiden, in Castellane zu rasten. Der Ort macht aber einen sehr interessanten Eindruck auf mich. So habe ich immer noch einen Grund, hierher irgendwann noch einmal zurückzukehren.

Le Grand Canyon du Verdon

Ich verlasse die Route Napoléon, biege ins Tal des Verdon ein und folge seinem Lauf flussabwärts. Jetzt geht es mit dem Regen richtig los! Am Pont-de-Soleils halte ich mich südlich, denn ich möchte den Grand Canyon du Verdon von der Corniche Sublime, also der südlichen Panoramastraße aus erleben. Eigentlich wollte ich die Route des Crêtes fahren - später werde ich diese Strecke von der anderen Seite des Canyons kaum sehen können, da sie in den Wolken verläuft.

Erst einmal aber muss ich anhalten, denn hier ist Le Moulin de Soleils, die letzte traditionelle Wassermühle am Verdon. Die Mühle kann man besichtigen, und hier gibt es auch selbst gebackenes Brot, natürlich mit Mehl aus eigener Herstellung. Bei diesem Wetter ist hier wenig Betrieb; mit meinen (außen!) triefnassen Klamotten habe ich auch wenig Lust auf eine Mühlenbesichtigung oder einen Besuch der Crêperie. Ich erstehe ein halbes Pain de Vie zum späteren Verzehr und mache mich wieder auf in den Regen...

Trigance

Das Dorf Trigance schmiegt sich an einen Felsvorsprung und trotzt dem Wetter. Seine Burg wurde zu einem luxuriösem Hotel-Restaurant umgebaut, und in dem 150-Seelen-Ort finden sich mehrere Galerien und Künstlerateliers.

Auch hier mag ich bei dem schlechten Wetter nicht durch die Gassen schlendern. Bei trockener Witterung würde ich für diesen Ausflug wohl zwei Tage benötigen...

Grand Canyon du Verdon

Die Fahrt über die Corniche Sublime ist heute wirklich kein Vergnügen. Es herrscht zwar kaum Verkehr, aber die nasse Fahrbahn, hier und da heruntergefallene Felsbrocken, die niedrige Kante zur tiefen Schlucht und immer wieder verschütteter Dieselkraftstoff verlangen auf dem Motorrad volle Konzentration. An den Balcons de la Mescla halte ich an und trete an den Rand des Abgrunds. Selbst bei Regenwetter verschlägt es mir hier die Sprache!

Wenig später fahre ich bei prasselndem Regen über den Pont de l’Artuby. Das 110 m lange Bauwerk überbrückt die Schlucht in 182 m Höhe und ist Europas höchste Brücke, von der sich Bungee-Springer in die Tiefe stürzen dürfen. An den Tunnels de Fayet mache ich Rast, denn hier findet sich ein trockenes Plätzchen mit Aussicht: Der westliche der beiden Tunnel ist zur Schlucht hin offen und bietet mehrere gut gesicherte, trockene "Balkone". Zum Glück kommt hier heute gerade mal alle 5-10 Minuten ein Auto vorbei, so ist es doch irgendwie gemütlich.

Als es hinunter nach Aiguines geht, hört der Regen auf, und mit jeder Kehre wird es wärmer und wärmer. Über dem Lac de Sainte Croix scheint sogar die Sonne.

Lac de Sainte Croix

An der Mündung des Verdon in den Lac de Sainte Croix erlebe ich die unbeschreibliche Farbe des Wassers aus nächster Nähe, und wenig später bestaune ich Moustiers-Ste-Marie. Der Ort klebt irgendwie malerisch an den Felsen!

An der Mündung des Verdon in den Lac de Sainte Croix Moustiers-Ste-Marie

Über den Col d'Espinouse

Die Fahrt macht jetzt wieder richtig Spaß und entschädigt für die kalte Dusche auf der Corniche Sublime. Trotz meiner Zweifel am Zustand der Straße wage ich mich auf die D8 von Bras-d'Asse nach Norden.

Olivenhain bei Bras-d'Asse Col d'Espinouse

Die Entscheidung war richtig: Eine schmale Straße mit gutem Belag und einigen fahrtechnischen Überraschungen, die ich hier nicht verrate. Am Col d'Espinouse genieße ich das Panorama und die Ruhe. Auf der 16 km langen Strecke begegne ich nur zwei Fahrzeugen!

Espinouse

 
Weiter zur Seite Wilde Flüsse