Frankreich im Mai

Im Süden

Nach der langen und spannenden Anreise bin ich nun in der Gegend, die ich eigentlich erkunden wollte: Corbières, Pyrenäen - das südliche Frankreich eben. Leider bleiben mir nur knapp drei Tage, doch die will ich nutzen.

Maison Las Clauzes

Reichlich erschöpft erreiche ich am Abend das Maison Las Clauzes in Moux. Hier will ich für drei Nächte bleiben und die Corbières und Pyrenäen erkunden. Die Zeit ist natürlich viel zu kurz, aber ich bin entschlossen, das Beste daraus zu machen. Ein freundlicher Empfang und die Aussicht auf ein entspanntes Abendessen lassen mich die letzten langweiligen 200 km schon wieder vergessen.

Hofeingang Maison Las Clauzes

Da ich mich recht spät angemeldet habe, war für mich leider kein Zimmer mehr frei. So schlage ich rasch mein Zelt auf der großen Wiese auf. Nach einer erfrischenden Dusche und dem vorzüglichen 4-Gänge-Menü im Haus (danke, Claudine und Holger!) bin ich satt, müde und glücklich, in den Schlafsack zu kommen.

Zeltwiese Maison Las Clauzes

Aber schon um halb eins in der Nacht werde ich wieder geweckt, denn es gibt überraschenden Besuch auf der Zeltwiese. Irgend jemand macht sich geräuschvoll auf dem Gelände zu schaffen. Nach einer Weile nähern sich die Geräusche meinem Zelt. Als es direkt neben meinem Kopf kräftig grunzt, wird mir klar: Hier sind Wildschweine unterwegs! Die Tiere haben sich dann aber wohl selbst kräftig erschrocken, denn plötzlich laufen sie quiekend davon. Der Rest der Nacht bleibt relativ ruhig; die in der Nähe verlaufende Bahnstrecke stört mich nicht sonderlich.

Das Frühstücksbüffet nach so einer Zeltnacht ist der pure Luxus. Ausgiebig gestärkt, hole ich mein Motorrad aus der Garage - und weiß nun auch, warum auf dem Garagentor Wildschweine aufgemalt sind...

Pfotenabdrücke auf dem Motorradsitz

Durch die Corbières nach Andorra und Spanien

Von den etwa 20 Motorrädern hier ist meins das einzige, auf dem die Katze mit staubigen Pfoten herumgelaufen ist. Ist das nun eine Schmach oder eine Ehre? Von den anderen Gästen wird mir glaubhaft versichert, dass dies eine ausgesprochene Ehre sei. Stolz geschwellt mache ich das Beweisfoto und möchte am Liebsten nie wieder die Sitzbank abwischen! Nach einigem Zögern setze ich mich auf den geehrten Sitz und steuere die Corbières an. Mein erstes Ziel ist Lagrasse.

Lagrasse in den Corbières

Das Städtchen ist an diesem Morgen gegen 10 Uhr noch etwas verschlafen. Heute ist der 8. Mai, in Frankreich ein Feiertag - der Tag des Friedens, an dem im Jahre 1945 der 2. Weltkrieg zu Ende ging. Ich habe schon vor meiner Reise von diesem Feiertag gewusst, aber nicht damit gerechnet, dass heute kaum ein Tankstelle mit Bedienung geöffnet ist. Meine deutsche ec-Karte wird von den Tankstellen-Automaten nicht akzeptiert, und zu meiner Kreditkarte habe ich die PIN-Nummer vergessen...

Aber noch reicht der Sprit, und so genieße ich die Fahrt in der Sonne. Auf einsamen Nebenstrecken geht es über St-Martin-des-Puits und Termes nach Südwesten.

Lagrasse in den Corbières

Am Col de Termes (520 m) halte ich an und genieße die Aussicht über die grünen Hügel der Corbières. Bei genauem Hinsehen entdecke ich, dass die vermeintlichen Wolken in der Ferne keine Wolken sind: Es sind die schneebedeckten Gipfel der Pyrenäen - dort muss Andorra liegen! Es ist kurz vor 11 Uhr, der Tag liegt noch vor mir. Ich beschließe auf der Stelle, dass ich noch heute in diese Schneelandschaft fahren werde.

Auch in Couiza finde ich keine Tankstelle, an der ich heute gegen Bares Benzin erhalte. Ein freundlicher Motorradfahrer (mit Baguette im Rucksack) schickt mich nach Quillan, wo ich tatsächlich nicht nur eine Tankstelle, sondern auch einen geöffneten Supermarkt finde. Nachdem ich den Tagesproviant für mein Motorrad und mich erstanden habe, folge ich ein Stück der D117, die sich aus dem Talkessel in die Berge hinauf windet. Oben am Col du Portel biege ich auf die D613 Richtung Ax-les-Thermes ab - für mich eine absolute Traumstrecke: Die kaum befahrene Landstraße führt auf rund 900 m Höhe durch eine liebliche Landschaft. Schon nach wenigen Kilometern entdecke ich nach dem Col de Coudons einen Rastplatz, an dem ich meine Mittagspause im Sonnenschein und bei traumhafter Ruhe verbringe: Während einer halben Stunde kommt hier gerade mal ein einziges Auto vorbei!

Blick von La Peyre Richtung Andorra

Ein paar Kilometer weiter bei La Peyre präsentiert sich mein Reiseziel wie im Bilderbuch: Über mit gelben Löwenzahnblüten übersäten Wiesen leuchten die schneeweißen Berggipfel Andorras unter dem blauen Himmel. Der Anblick ist überwältigend.

Vor dem Abstieg nach Ax-les-Thermes lege ich am Col du Chioula in 1.431 m Höhe noch eine Pause ein und genieße den Ausblick auf das Bergpanorama, bevor ich auf der deutlich stärker frequentierten N20 (E9) nach Andorra hinauf fahre.

Der Verkehr zum Einkaufsparadies Andorra ist wirklich recht stark, da kann ich die Bergwelt kaum genießen. Vor der Grenzstation gibt es sogar einen kleinen Stau. Erst als ich an der Einfahrt zum Tunnel (den ich natürlich meide) und den Shopping-Palästen in Pas de la Casa vorbei bin, wird es etwas ruhiger.

Am Port d'Envalira in Andorra

Oben am Port d'Envalira liegt der Schnee noch richtig hoch. Rings herum Winterlandschaft, so weit das Auge reicht. Ich muss mich nun entscheiden, auf welchem Wege ich zu meiner Unterkunft zurückkehren soll. Beim Blick auf die Landkarte und die Uhr (es ist 15 Uhr) entscheide ich mich dafür, hinunter nach Andorra und über Spanien zurück zu fahren.

Die Farben der Landschaft ändern sich von schneeweiß über grau/braun zu grün. Oberhalb von Encamp fällt der Blick auf eine reichlich zugebaute Berglandschaft, und der Bauboom wird mit jedem Kilometer bergab deutlicher. Der Verkehr nimmt immer stärker zu, und die Verkehrsführung ist oft nicht eindeutig. Ich fahre plötzlich auf einer Busspur, von der es erst einmal kein Entrinnen gibt, bis ich dann doch wenden kann und eine längere Strecke zurück fahren muss.

Encamp, Andorra

Auf dieser kurzen Durchreise bin ich von Andorra enttäuscht: Tankstellen und Geschäfte sind allgegenwärtig, und der Verkehr fordert meine ganze Aufmerksamkeit. Nach zahlreichen Ampelstopps gipfelt das Erlebnis schließlich in einem längeren Stau in der Nachmittagshitze: Die spanischen Grenzer kontrollieren jedes einzelne Fahrzeug intensiv auf Tabakwaren und Alkohol.

Serra de Cadi bei Arseguel, Spanien

In Spanien fahre ich von La Seu d'Urgell ostwärts. Auch die spanische Serra de Cadi zeigt sich schneebedeckt. Es ist schon fast 18 Uhr, und ich muss mich beeilen, wenn ich noch vor Einbruch der Dunkelheit wieder in Moux an meinem Zelt ankommen will. In flotter Fahrt erreiche ich den spanischen Grenzort Puigcerdà, der fast unmittelbar in den französischen Ort Bourg-Madame übergeht.

Ich folge dem Verlauf der N116 über Prades bis Millas und fahre dann auf einsamen Nebenstrecken über Tuchan und Durban-Corbières nordwärts. In der Abenddämmerung erreiche ich nach über 450 km mein Quartier.

Mein Fazit: Für eine Tagestour war diese Runde deutlich zu lang. Die Rückfahrt konnte ich kaum noch genießen, auch wenn es durchweg über schöne Strecken ging.

Weinstöcke in den Corbières

Mittelmeer und Kurven ohne Ende...

Am nächsten Tag will ich es gemütlicher angehen und mit die Küstenregion an der französich-spanischen Grenze ansehen.

Mohnblumen in den Corbières

Erst einmal geht es wieder durch die Corbières, aber nun in Richtung Mittelmeer.

Weinstöcke in den Corbières

Über Sigean fahre ich die langweilige Landstraße parallel zur Autobahn Richtung Süden. Bei Salses-le-Château verpasse ich die Abzweigung zur Küste und gerate prompt vor Perpignan in einen Mega-Stau. Irgendwie schaffe ich es, mich nach Canet-Plage durchzuschlagen. Weiter südlich vor St-Cyprien-Plage führt die Straße direkt an den Stranddünen vorbei. Hier kann ich - das Motorrad in Sichtweite - ein Stündchen am Strand verbringen.

Blick auf Colera und Llanca, im Hintergrund Cap de Creus

Über Port Vendres geht die Fahrt zum Cap Cerbère ins spanische Portbou. In Figueres tanke ich noch preisgünstiges spanisches benzin, bevor ich mich auf den Rückweg nach Norden mache. Da ich mich für heute zum Abendessen angemeldet habe, wähle ich aus Zeitgründen die Autobahn. Hier werde ich von heftigen Windböen geschüttelt, selbst bei 80 km/h ist die Fahrt anstrengend.

Carcassonne Carcassonne, Porte Narbonnaise

Diese Stadt gibt es wirklich!

An meinem letzten Tag will ich gegen 15 Uhr in Narbonne am Bahnhof sein - da bleibt noch Zeit, um am Vormittag Carcassonne zu besuchen. Die Cité mit ihren dicken Mauern und Türmen ist wirklich sehenswert!

Carcassonne, Schloss

Vor der Porte Narbonnaise gibt es einen kleinen Motorrad-Parkplatz, auf dem ich die Deauville abstelle. Jetzt um kurz nach 10 Uhr sind noch nicht so viele Touristen unterwegs, da kann ich entspannt umherschlendern.

Carcassonne, in der Citè

Ich spare mir den Eintritt für das Schloss im Innern der Cité und sehe mich statt dessen in allen Gassen um. Die vielen gastronomischen Betriebe lassen ahnen, was hier später am Tag los sein wird. Nach zwei Stunden habe ich genug gesehen und trete den Rückzug an, um mein Zelt einzupacken und mich auf den Weg nach Narbonne zu machen.

Meine Honda Deauvlle im DB-Autozug

Auf dem Verladebahnhof legt sich der junge Angestellte der DB-Autozug mächtig ins Zeug. Mit etwas mulmigem Gefühl verlasse ich meine Deuaville nach der Verladung und fahre mit dem Bus zum Bahnhof. Die Wartezeit bis zur Bereitstellung des Zuges will nicht enden. Schließlich ist es soweit, und der völlig überhitzte Zug trifft ein. Die Wagen müssen den ganzen Tag in der Sonne gestanden haben, ohne dass die Klimaanlage in Betrieb war. Angeblich hat die SNCF die Stromkabel nicht angeschlossen...

Auch Stunden nach der Abfahrt bleibt es unerträglich heiß; erst nachts ab Strassburg wird es spürbar kühler im Zug.